„Neuer Patriotismus“ und nationale Identität in Deutschland im Jahr der Fußballweltmeisterschaft 2006
Dienstag, 29. Juni 2010, 20:00 Uhr
Ort: Infoladen Giessen, Alter Wetzlarer Weg 44
Als die Fußballweltmeisterschaft (WM) 2006 in Deutschland zu Ende ging, war dies auch das Ende einer 4-wöchigen Massen- und Medieneuphorie in Deutschland, die so kaum jemand erwartet hätte. Mit der Begeisterung eines Großteils der Deutschen für das deutsche Team ging ein unbeschwerter Umgang der Deutschen mit den Nationalstaatsfarben Schwarz-Rot-Gold einher, wie er seit den Feiern zur so genannten ‚Wiedervereinigung’ nicht mehr zu beobachten war. Im Zuge dieser Entwicklungen wurde republikweit und kontrovers diskutiert, ob es sich hierbei nur um einen Partypatriotismus handelte, oder sich - mittels des Volksportes Fußballs - ein bereits seit Jahren vollzogener Wandel im Verhältnis der Deutschen zur Nation offenbarte, der zudem auch als Ausdruck einer breiten Zustimmung zum so genannten ‚neuen Patriotismus’ verstanden werden konnte? Der Referent wird sich diesen Fragen ebenso widmen, wie jener, ob der ‚neue Patriotismus’ tatsächlich dem ‚weltoffenen’ oder ‚aufgeklärten’ Charakter entspricht, wie von Politiker/Innen und großen Teilen der Medien im Jahr 2006 vermittelt wurde. Darüber hinaus soll mittels Ergebnissen aus einer Diskursanalyse über jüngere bundesrepublikanische Debatten um Patriotismus und Nationalstolz, verdeutlicht werden, dass das Einfordern dergleichen keineswegs nur dem Selbstzweck der Identifikation mit der Nation dient, sondern das Einfordern von Nationalbewusstsein vielmehr auch in einen konkreten sozial-politischen Kontext verortet werden muss.

